Es gibt interessante und lehrreiche Zeitschriften, die man liest, weil man hofft dadurch mehr Wissen zu erlangen.
Und es gibt Frauenzeitschriften.
Frauenzeitschriften kaufe ich mir, um nicht während dem Lesen nachdenken
zu müssen. In schweren Zeiten, durch Schulstress geprägt, möchte man
sich nicht geistig anstrengen. Man versucht jeglichen Denkprozessen zu
entgehen, welche das Hirn zum Schwitzen bringen und weicht Fachmagazinen
aus, die die Synapsen zu sehr beanspruchen würden.
Ich bewege mich also stets unauffällig zur Zeitschriftenecke. Natürlich
macht es die breite Auswahl schwierig sich für nur ein einziges Heft zu
entscheiden. Deswegen kauft man meistens lieber direkt drei, da in dem
einen vielleicht mehr Sextipps stehen als in dem anderen.
Als ich noch keinen Freund und keinen Sex hatte, waren Sextipps für mich
eine Offenbarung und der Weg zur vollkommenen Erfüllung, die mich in
meinem weiteren Leben sexuell erfolgreich machen würden, so dachte ich.
Insgeheim hoffte ich wahrscheinlich, sie könnten mich zur Sexgöttin
mutieren lassen. Der überdurchschnittliche so genannte Sex-IQ war
für mich fortan das wonach ich strebte. Dass das meiste allerdings
vollkommener Schwachsinn war habe ich erst verstanden als ich die ersten
sexuellen Erfahrungen gesammelt hatte, um dann herauszufinden, dass Dirty Talk nicht unbedingt jederman(n)s Sache ist. Im Gegenteil. Im Bett ein „Fick mich, du dreckige Sau!“
loszulassen kann erstens eine peinliche Stille verursachen und zweitens
irritierte Blicke am nächsten Morgen. Und im nächsten Moment sind sie
dann weg. Wäre nicht die eigene Dummheit schuld gewesen, hätten sich
wahrscheinlich schon Horden von Mädchen versammelt, um Schadensersatz
für die vielen weggelaufenen Männer zu fordern.
Was sich mir noch nicht ganz erschließt ist das Mysterium um die
abgebrochenen Lippenstifte, ausgeschütteten Puderdöschen und
zerbröckelten Lidschatten. Zu Hause rege ich mich mit animalischen
Urlauten über meine runtergefallene Schminkbox auf, und andernorts
sitzen Menschen, die Schminke zum Spaß runter schmeißen und davon auch
noch Bilder machen.
Was ich auch gern zu tun pflege, wenn es mir nicht gut geht ist, mir die
Kolumnen in solchen Heften durchzulesen und stelle dann fest, dass es
tatsächlich Frauen gibt, die noch mehr Probleme zu haben scheinen als
ich. Frauen, welche sich nicht zwischen zwei Männern entscheiden können,
die beide hübsch und intelligent sind. Ich würde nicht
nachdenken und darüber schreiben, nein, ich würde direkt beide nehmen –
ohne vorher nachzudenken. Solche Frauen bleiben vor jedem Spiegel
stehen, lassen ihre Hose runter und betatschen weinend ihre Orangenhaut,
während sie leidvoll stöhnen, um dann zum Abendessen trotzdem weiter
Schokolade zu essen – als Hauptgang.
So, und morgen kauf‘ ich mir die JOY.