17. Oktober 2011

Alkohol - nur ein Freund, das Frauenproblem und wenn Menschen sich hinterfragen (Briefausschnitte)


Mir geht es übrigens sehr gut, obwohl ich schon wieder einen Abend mit meinem Freund dem Alkohol verbracht habe. Aber keine Sorge, wir führen lediglich eine distanzierte Beziehung auf oraler Ebene. Zu oft hat er meinen Magen als Wuthöhle missbraucht, sodass eine feste Beziehung auf Dauer unmöglich scheint, gar ungesund. Außerdem ist der Sex schlecht. Ich wollte dies nur klarstellen, damit keine Eifersucht aufkommt.

[…]

Als Frau eines Mannes ist man immer der festen Überzeugung, einem würden besondere Kräfte zuteil, von welchen man Gebrauch machen sollte, wenn die Gemütslage des Mannes zusammenbricht wie eine morsche Hütte im Wald. Das blöde ist: Dieses ganze Gedankengerüst baut nun mal auf der Tatsache auf, dass man DIE Frau ist. Liebe ist also praktisch ein Zustand, von dem die Frau annimmt, ihr würden besondere Eigenschaften zuteil. Nun gut, Blödsinn.
Ich sitze übrigens gerade auf dem Sofa und schaue mir wieder Krankenhäuser an, während Lotte hinter mir so tut als stünde sie unter Drogen. Außerdem klebt mein Rücken am Sofa fest, was ein Grund wäre zu duschen. Kommst du mit?

[…]

Ich glaube, es ist gesund, wenn ein Mensch in seinem Leben auch ab und zu dumme Fragen stellt. Denn wenn er selbstständig hinter die Tatsache gelangt, dass seine Frage blöd war, so kann er davon ausgehen, dass er in der Lage ist sich selbst zu hinterfragen. Und das zeugt ja wohl irgendwo von einem einigermaßen durchschnittlichen Intelligenzgrad.

4. August 2011

Vier Kaffeetassen und ein Hotdog

Sie möchte Psychologin werden.  
Sie liest Bücher von Nietzsche und Freud.  
Sie bastelt sich Lindt-Schokohasen-Glöckchen-Ohrringe und möchte sich tote, von der Sonne verhärtete, platt gefahrene Froschkörper an die Wand hängen. Für wilde Abende kauft sie sich stets Strumpfhosen für nur 1, 59 €, die nach Industrie riechen und leicht kaputt gehen, um sie nachher als Erinnerungsstück aufzubewahren und trotzdem noch anzuziehen.  
Sie liebt IKEA.  
Sie leidet an Dyskalkulie und kann überhaupt nicht schätzen, von Kopfrechnen ganz zu schweigen. Zahlenabfolgen kann sie sich nur merken, wenn sie aus einfachen und schönen Zahlen bestehen (wie z.B. 1, 2, 4, 6, 9 und 0). Zahlenabfolgen mit schwierigen und hässlichen Zahlen hingegen, muss sie sich stets irgendwo notieren, um sie nicht zu vergessen (wie z.B. 3, 5, 7, und 8).  
Sie kocht frei Schnauze und ohne System, bei lauter Musik, tanzend und mit dem Messer herumfuchtelnd. Außerdem ernährt sich in der Regel nur von Scampies, getrockneten Tomaten und Sushi.  
Sie trinkt mindestens vier Kaffeetassen am Tag.
Sie kann sogar auf Wurzeln und Steinen schlafen, immer bei geöffnetem Fenster aber geschlossener Tür. Und besonders gut, wenn Sie vorher mit Ihm Sex hatte.  

Er möchte mal irgendwas mit Geld machen.  
Er liest das Handelsblatt und kauft sich Bücher über die Finanzkrise.
Er isst im IKEA am liebsten ein Hotdog nach dem anderen.
Er leidet an einer Rot-Grün-Schwäche, weshalb er immer von Ihr geärgert wird, wenn beide vor einer Ampel stehen. Dafür kann er sehr gut schätzen und Kopfrechnen. Komischerweise zählt er alles, was zählbar ist. Am liebsten Treppenstufen.
Er kocht mit einer Miene als würde er an einem sehr wichtigen und langwierigen Forschungsprojekt arbeiten, sodass sie sich nicht einmal mehr traut eine Gurkenscheibe anzufassen, sondern lieber hungert bis seine Forschungsarbeiten beendet sind. Allerdings kann er in einer Minute sieben Cheeseburger verschlingen.
Er hat bis zu seinem 21. Lebensjahr noch kein einziges Mal gebügelt.
(Sie dafür noch nie.)  
Er kann nur in stockdunklen Zimmern schlafen, bei offener Tür und eng umschlungen mit einem wurstartigen Kuschelkissen.
Sex mit Ihr findet er atemberaubend.  

Beide lieben sich.

1. August 2011

Animierte Pinguine

Traum - Ich bin nackt, renne über nassen Asphalt und stelle fest, es ist ein Parkplatz. Nicht weit davon entfernt befindet sich eine Wiese. Sie ist gut besucht, doch niemand würdigt mich eines Blickes, niemand zeigt mit dem Finger auf mich und lacht mich aus. Auf der ebenfalls nassen Wiese angekommen, nehme ich ein Gehege mit wirklich niedlichen Pinguinen war. Sie wirken sehr computeranimiert und vollführen Kunststücke, die von niemandem zur Kenntnis genommen werden. Wird überhaupt irgendwas zur Kenntnis genommen? Die Pinguine und ich jedenfalls nicht. Nebenan befindet sich ein Haus – ein typisches Zoowärterhaus mit hässlichem Verputz. Meiner Nacktheit wegen betrete ich das Häuschen, vorbei an noch mehr Käfigen kommt mein Sportlehrer auf mich zu. Ich weiß nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund verspüre ich ein unwohles Gefühl. Ach stimmt, ich bin ja nackt. Ich erwarte peinliche Stille, gefolgt von einer peinlichen Atmosphäre, doch auch ihm scheint mein blankes Äußeres nicht aufzufallen, vielmehr wirkt er erstaunt. Schnell frage ich ihn nach einem T-Shirt, da ich möglichst unauffällig den Parkplatz erreichen möchte. Er ist zunächst misstrauisch und weiß nicht so recht, ob er mir sein T-Shirt anvertrauen kann, doch ich versichere ihm eine gute Behandlung. Schließlich willigt er ein und ich nahm den Weg zurück. Und wachte auf.

17. Juli 2011

Bettlakenkälte

Und neben mir, die kalte Seite, wo ist der Mensch, der einst verweilte, neben mir, an meiner Seite, an diesem Ort, er ist hinfort.
So lieg ich hier und du liegst da.
Wo wir einst liebten, nichts ist mehr da,
nur dein Geruch, so klar, so sehnsuchtsschwer,
doch: das Bett ist leer.
Wo wir einst küssten, nichts ist mehr da,
dein Mund, die Lippen, wundgeküsst, so liebesschwer
nur: da ist nichts mehr.
Ich bin hier und du bist da.
Ist alles andere als nah.

26. Mai 2011

Besitzgut


Ich habe zeitnah die Beobachtung getätigt, dass jede Frau in ihrem beschränkten Glauben und traurigem Besitzerstolz, die Annahme verteidigt, ihr Mann sei der einzig wahre Ursprung aller Männlichkeit und verkörpere somit ein Objekt der Begierde, dass der ärmliche und trostlose Rest der Frauenwelt zu bewundern hat. Wer dies nicht täte, würde auf den bloßen Neid reduziert. Nun stellt es zudem ein Wissen dar, welches lautstark verbreitet werden muss, um jedwede Aufmerksamkeit auf besagtes männliche Besitzgut zu fokussieren.
Das Wissen sollte man jedoch vielmehr als Unwissen bezeichnen, da sie lediglich um ihren eigenen Mann wissen und nicht um meinen. Denn das Wissen um meinen Mann als weltbesten vermag das einzig wertvolle Wissen zu sein, welches anzueignen sich lohnt.

15. April 2011

3 Worte


Berührungen hinterlassen Erinnerungen.
Erinnerungen sind gleichsam verbunden mit Gefühlen.
Beides wächst, paart sich, hinterlässt mehr und mehr Spuren.
Es folgen Gedanken. Zunächst nur einfache, die unwichtig erscheinen, gar amüsant.
Doch Gedanken sind Ideen unseres Gehirns. Gezeugt von Erfahrung und Erinnerung. Beeinflusst durch Gefühle.
Rotten sich zusammen. Zu Haufen. Gedeihen prächtig unter neuen Erfahrungen.
Hinterlassen Fragen. Fragen nach dem Zustand. Fragen nach dem Was.

Und die Antwort besteht aus 3 Worten.

5. April 2011

Von Worten & Taten

Was vernimmt da mein lauschendes Ohr?
Unglaubliche Worte von unglaublichen Taten,
die vorher noch nie dagewesen
und nie nah erschienen.